Hüftarthroskopie bei lokalisierten Knorpelschäden

Knorpelschäden an der Hüfte führen bei betroffenen Patienten zu starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Die Ursachen sind vielfältig. Erworbene Ursachen sind zum Beispiel traumatische Ereignisse wie Drehverletzungen oder Entzündungen. Zu den angeborenen Faktoren gehören Fehlstellungen der Beine oder Fehlbildungen am Hüftgelenk wie ein Impingement (Verengung) oder eine Hüftdysplasie (Fehlbildung der Hüftgelenkpfanne). Als Folge der Knorpelschäden kann eine Hüftarthrose entstehen. Ist eine Operation erforderlich, erfolgt diese in der Regel mittels einer Hüftarthroskopie. Dieser Eingriff wird minimal-invasiv mit wenigen kleinen Schnitten durchgeführt.

 

Wie verläuft der Eingriff der Hüftarthroskopie bei lokalisierten Knorpelschäden?

Voraussetzung für einen erfolgreichen Eingriff ist eine ausführliche Abklärung und Behandlungsplanung. Bei der Untersuchung des Hüftgelenks werden Gangbild, Bewegungsumfang und Schmerzlokalisation beurteilt. Standardisierte Röntgenaufnahmen und eine Magnetresonanztomografie, gelegentlich auch eine Computertomografie, gehören ebenfalls zum Untersuchungsprogramm.

 

Dabei müssen die möglichen Ursachen für den Knorpelschaden, wie ein Impingement oder eine Hüftdysplasie, analysiert werden, da diese häufig gleichzeitig mit dem Knorpelschaden behandelt werden müssen. Im Aufklärungsgespräch bespricht der Arzt mit dem Patienten den Ablauf der Operation sowie Risiken des Eingriffs. Die Einverständniserklärung unterzeichnen sowohl der Patient als auch der Arzt. Der Zeitpunkt der stationären Aufnahme ist je nach Krankenhaus unterschiedlich und kann am Vortag oder am Tag der Operation erfolgen. Die Aufenthaltsdauer beträgt ein bis drei Tage.

 

Der genaue Ablauf der Operation:

• Üblicherweise erfolgt der Eingriff in Allgemeinanästhesie

• Die Lagerung findet auf einem Extensionstisch, d. h. mit Zug am betroffenen Bein, üblicherweise in Rückenlage statt

• Die Operation erfolgt mit Hilfe eines Bildverstärkers (Röntgen)

• Die arthroskopische Kamera und die Instrumente werden über zwei bis vier kleine Hautschnitte in das Hüftgelenk eingebracht

• Débridement des Knorpels: instabile Knorpelanteile werden entfernt

• Knochenmarkstimulation: Nach Entfernung des geschädigten Knorpels wird der darunterliegende Knochen eröffnet, um eine Einblutung (Koagel) und Bildung eines Ersatzknorpels zu erzeugen

• Biomaterialien: Zusätzlich zur Knochenmarkstimulation, zum Beispiel durch Abrasion oder Mikrofrakturierung, wird eine Membran aus Biomaterial zur Abdeckung des Koagels eingebracht

• Matrixassozierte Knorpelzelltransplantation: Dieser Eingriff benötigt zwei Operationen. Bei der ersten Operation wird eine kleine Menge gesunder Knorpel entnommen und zur Zellzüchtung gegeben. Nach durchschnittlich vier bis sechs Wochen werden die gezüchteten Zellen in das defekte Gelenk eingebracht

• Gleichzeitig vorhandene Gelenkveränderungen wie Impingement, Schäden an der Gelenklippe (Labrumschäden) oder eine Hüftdysplasie müssen mitbehandelt werden

Nach der Operation

Die Nachbehandlung ist bei Eingriffen am Knorpel besonders wichtig. Die Mobilisierung erfolgt mit 15–20 Kilogramm Teilbelastung für drei bis acht Wochen. Besonders wichtig ist die tägliche mehrstündige Bewegung des Gelenks, um die Knorpelreifung anzuregen. Hierfür soll der Patient mehrmals täglich eine Bewegungsschiene verwenden. Danach folgen der schrittweise Belastungsaufbau sowie Muskeltraining.

Typische Risiken und deren Häufigkeit

• Lagerungsschäden: 0,6 Prozent

• unbeabsichtigte Schäden an Knorpel und Labrum: 2–9 Prozent

• Nervenschädigungen: bis zu 4,5 Prozent

• Gefäßverletzungen: sehr selten

• Instrumentenbrüche: 0,7 Prozent

• Austritt von Flüssigkeit ins Abdomen: 0,02 Prozent

• Hämatome (Blutergüsse): 0,15 Prozent

• Thrombose: 0,04 Prozent

• Infektionen: 0,04 Prozent

• Hüftkopfnekrose: 0,05 Prozent

• Oberschenkelfrakturen: 0,1 Prozent

• Hererotope Ossifikationen (Verkalkungen) im Text zu Impingement steht Verknöcherungen: 0,27–4,7 Prozent

• Hüftgelenkinstabilität: 0,2 Prozent

• Einbruch des subchondralen Knochens bei Mikrofrakturierung

Generelle Prognose nach der Operation

Für knorpelregenerative Therapien am Hüftgelenk ist die Datenlage im Vergleich zum Kniegelenk noch begrenzt. Sowohl Knochenmarkstimulation als auch Knorpelzelltransplantation führen zu einer Besserung der Beschwerden. Die Geweberegeneration scheint bei der Knorpelzelltransplantation überlegen zu sein. Langzeitergebnisse, vor allem bezüglich Verhinderung einer Arthrose, liegen noch nicht vor.

Wie gelingt die Rückkehr in den Alltag, das Berufsleben und den Sport?

Die Rehabilitationsphase wird stark durch individuelle Faktoren und Details des operativen Eingriffs bestimmt. Nach der sechs- bis achtwöchigen Teilbelastung müssen die muskuläre Stabilisierung und der Aufbau der Vollbelastung erfolgen. Auch Ergometertraining und Aquatraining sind in dieser Phase möglich. Die Rückkehr ins Berufsleben ist je nach Belastungsgrad nach sechs bis acht Wochen, bei körperlich belastenden Berufen nach etwa drei Monaten möglich. Leichte Sportarten wie Nordic Walking, Radfahren, Wandern oder Golf kann der Patient frühestens nach zwölf Wochen beginnen. Hüftbelastende Sportarten mit Stop-and-go und Drehbewegungen muss der Patient für sechs bis zwölf Monate aussetzen. Die Rückkehr in den Wettkampfsport ist erst nach einem Jahr zu empfehlen. Hier sind jedoch Funktionstests und eine Kraftanalyse der Hüft-Gegenseite erforderlich, um die Belastbarkeit zu beurteilen.

Literaturhinweise

• Möckel (2014), Larson (2013), Bedi (2012)

• Lazik (2015), Di Bartola (2016)