Subakromiale Dekompression

Wenn der Raum zwischen dem Knochenfortsatz am Schulterblatt, dem sogenannten Akromion, und dem Schultergelenk verengt ist, kann es zum subakromialen Schmerzsyndrom (SAPS) kommen, das oftmals auch Impingement-Syndrom genannt wird. Die Schmerzen entstehen durch den engpassbedingten erhöhten Druck auf Muskeln, Sehnen und Schleimbeutel. Manchmal kommt es außerdem zu Kalkeinlagerungen in den Sehnen des Schultergelenks und zu Gelenkverschleiß. Als operative Methode ist eine Schulterdach-Erweiterung, die sogenannte subakromiale Dekompression (SAD) bzw. Akromioplastik, möglich. Dieser Eingriff wird arthroskopisch mit nur wenigen kleinen Schnitten minimal-invasiv durchgeführt.

 

Wie verläuft der Eingriff der subakromialen Dekompression?

24 Stunden vor der Operation wird der Patient im Gespräch präoperativ aufgeklärt, das zu erwartende Operationsergebnis sowie mögliche Komplikationen werden besprochen. Die Operation selbst dauert rund 30 Minuten. Die subakromiale Dekompression kann sehr gut ambulant erfolgen, da nach der Operation keine starken Schmerzen oder Schwellungen zu erwarten sind. Ein stationärer Aufenthalt ist erforderlich, wenn die Operation mit weiteren Eingriffen wie der Rotatorenmanschetten-Naht kombiniert wird, wenn weitere Nebendiagnosen vorliegen oder falls sich nach der Operation starke Schmerzen zeigen.

 

Während der Operation sitzt der Patient aufrecht in der sogenannten Beach-Chair-Position oder Liegestuhlposition. Nach einer Funktionsprüfung der Schulter unter Vollnarkose werden über kleine Zugänge eine Kamera sowie Instrumente in das Gelenk eingebracht. Zur besseren Übersicht wird das Gelenk mit steriler Kochsalzlösung aufgefüllt.

 

Mittels eines diagnostischen Kamera-Rundgangs kann der Arzt mögliche Gelenkschäden beurteilen und eine Fotodokumentation erstellen. Mit einer Elektrofräse entfernt der Operateur dann den oftmals entzündeten Schleimbeutel, knöcherne Anbauten, Verkalkungen und Vernarbungen. Abschließend testet er die freie Schulterbeweglichkeit und erstellt eine Fotodokumentation.

Nach der Operation

In den ersten 24 Stunden nach dem Eingriff trägt der Patient eine Schultergelenkbandage. In den darauf folgenden drei Wochen muss er diese nur noch nachts und bei längerer Gehbelastung anlegen. Während der ersten 72 Stunden unterstützen kühlende und abschwellende Maßnahmen den Heilungsprozess. Die postoperative Wundkontrolle und die Verordnung der postoperativen Medikation nach der Entlassung des Patienten übernimmt der Hausarzt. Die Hautfäden entfernt der Operateur am 14. postoperativen Tag im Krankenhaus.

 

Erlaubte Bewegungsausmaße:

• Erste bis vierte postoperative Woche: Anheben und Abspreizen des Armes auf jeweils 90° limitiert, Rotationen frei

• Ab der fünften postoperativen Woche: freie Beweglichkeit

Typische Risiken und deren Häufigkeit

Die subakromiale Dekompression ist eine einfache und komplikationsarme Operation. Allgemein ist das Risiko für eine Komplikation mit maximal 0,5–0,6 Prozent sehr niedrig, was durch verschiedene und aktuelle Studien belegt wurde. Häufigste Komplikationen sind anhaltende Beschwerden, die eine erneute Operation erforderlich machen (0,22–0,37 Prozent), sowie oberflächige Wundinfektionen (0,16–0,17 Prozent).

Generelle Prognose nach der Operation

Die Prognose der subakromialen Dekompression (SAD) mit anschließender Physiotherapie ist bei korrekter Indikationsstellung grundsätzlich gut. In den meisten Fällen erreicht die nicht-operative Therapie bei Erstauftreten von Impingement-Beschwerden die gleichen Ergebnisse wie die isolierte, operative SAD. Der Mehrwert der operativen Therapie gegenüber konservativen Maßnahmen hängt dabei stark von der zugrundeliegenden Schmerzursache ab.

 

Eine Verbesserung der Gelenkfunktion und Schmerzen durch den operativen Eingriff konnte bei mechanischer Einklemmung der Rotatorenmanschette in langfristigen Studien in knapp 80 Prozent erreicht werden, wobei vor allem ältere Patienten über 57 Jahren von der Dekompression zu profitieren scheinen. Da die Operation jedoch nur in speziellen Fällen isoliert durchgeführt wird und in der Regel ein Begleiteingriff ist, hängt die Prognose im Wesentlichen auch von den Begleitverletzungen und dem Haupteingriff, zum Beispiel der Rotatorenmanschetten-Naht, ab.

Wie gelingt die Rückkehr in den Alltag, das Berufsleben und den Sport?

Nach Abschluss der Wundheilung, etwa 14 Tage nach dem Eingriff, ist in der Regel die Rückkehr in den Alltag möglich. In dieser Zeit wird bereits mit Physiotherapie begonnen. Wenn die Schulter nach ca. sechs Wochen wieder frei beweglich ist, kann der Patient seinen Beruf wieder vollumfänglich aufnehmen.

 

Parallel zum beruflichen Wiedereinstieg sollte der Patient eigenständig Übungen zur Kräftigung der schulterumgebenden Muskulatur durchführen. In dieser Zeit kann er auch mit leichter sportlicher Betätigung wie Joggen beginnen. Jegliche Überkopfsportarten sind erst nach Abschluss des muskulären Aufbaus nach ca. zwölf Wochen empfohlen.

Literaturhinweise

• Hill et al. (2017), Arthroscopy

• Shields et al. (2015), Arthroscopy

• Lähdeoja et al. (2019), BJSM

• Lunsjo K (2011), Acta Orthop

• Jaeger M (2016), Arthroscopy

• Biberthaler P (2013), Int Orthop