Naht bei Ruptur der Rotatorenmanschette

Die Rotatorenmanschette ist eine Kappe aus vier Muskeln, den Sehnenansätzen der Muskeln sowie Bändern. Sie umfasst das Schultergelenk und verleiht ihm Stabilität. Durch Unfälle oder Verschleiß kann es zu einer Ruptur, also einem Riss der Rotatorenmanschette kommen. Am häufigsten betroffen ist dabei die Sehne des Musculus Supraspinatus. Als Therapie kommen konservative und operative Methoden in Frage. Die Naht des Rotatorenmanschettenrisses wird heute arthroskopisch mit nur wenigen kleinen Schnitten minimal-invasiv durchgeführt.

 

Wie verläuft der Eingriff der arthroskopischen Rotatorenmanschetten-Naht?

24 Stunden vor der Operation findet eine präoperative Aufklärung statt, in der das zu erwartende Operationsergebnis und mögliche Komplikationen besprochen werden. Die Operation selbst dauert zwischen 40 und 90 Minuten. Die Dauer ist abhängig von der Rissgröße und eventuell notwendigen Zusatzeingriffen, zum Beispiel einer subakromialen Dekompression. Der Eingriff findet meist stationär mit einer Aufenthaltsdauer von mindestens zwei Tagen statt. Bei kleinen Rissen ist in Ausnahmefällen eine ambulante Operation möglich.

 

Während der Operation sitzt der Patient unter Vollnarkose aufrecht in der sogenannten Beach-Chair-Lagerung. Zunächst legt der Operateur einen ca. einen Zentimeter kleinen Zugang und führt eine Kamera in das Schultergelenk ein. Zur besseren Übersicht wird das Gelenk mit steriler Kochsalzlösung aufgefüllt. Mittels eines diagnostischen Kamera-Rundgangs kann der Arzt mögliche Gelenkschäden beurteilen und eine Fotodokumentation erstellen.

 

Nach Anlegen eines weiteren Zugangs können ausgerissene Sehnenanteile sowie der meist entzündete Schleimbeutel gesäubert bzw. entfernt werden. Außerdem wird der Sehnenstumpf am Oberarmkopf gesäubert. Mittels eines dritten Zugangs kann der Operateur die gerissene Sehne mobilisieren und über die Rekonstruierbarkeit entscheiden. Nach Setzen der Fadenanker an die Knochen/Knorpelgrenze und Durchstechen der Fäden durch die Sehne werden die Fäden auf die Anker geknüpft und der Riss verschlossen. Abschließend testet der Operateur die freie Schulterbeweglichkeit, erstellt eine Fotodokumentation und bringt ggf. eine temporäre Drainage ins Gelenk ein.

Nach der Operation

Direkt nach der Operation wird dem Patienten noch unter Narkose ein Schultergurt angelegt, den er vier bis sechs Wochen tragen muss. Während der ersten 72 Stunden unterstützen kühlende und abschwellende Maßnahmen den Heilungsprozess. Die postoperative Wundkontrolle nach der Entlassung des Patienten übernimmt der Hausarzt. Die Hautfäden entfernt der Operateur am 14. postoperativen Tag im Krankenhaus.

 

Idealerweise beginnt noch während des stationären Aufenthaltes die Physiotherapie. In der Regel wird die Schulter in den ersten vier bis sechs Wochen passiv mobilisiert. Ab der siebten Woche, wenn der Schultergurt abgelegt werden kann, beginnt der Patient mit aktiven Bewegungsübungen. Eine gezielte Kräftigung der Muskulatur beginnt nach zwölf Wochen.

Typische Risiken und deren Häufigkeit

Allgemein ist das Risiko für eine Komplikation bei einer arthroskopischen, minimal-invasiven Naht der Rotatorenmanschette mit etwa 1,4 Prozent sehr niedrig. Die häufigste Komplikation ist die Re-Ruptur, sehr viel seltener kommt es zu Infektionen (ca. 0,3 Prozent).

Generelle Prognose nach der Operation

Die Prognose nach Naht der Rotatorenmanschette ist bei korrekter Indikationsstellung sehr gut. Wesentliche Faktoren sind die vergangene Zeit zwischen Riss und Operation, die Sehnenqualität sowie die Qualität der chirurgischen und physiotherapeutischen Leistung. Die Wiedererlangung der vollständigen Beweglichkeit und Beschwerdefreiheit ist nach etwa drei bis sechs Monaten zu erwarten.

Wie gelingt die Rückkehr in den Alltag, das Berufsleben und den Sport?

Nach Abschluss der Wundheilung etwa 14 Tage nach dem Eingriff ist in der Regel die Rückkehr in den Alltag möglich. Ab der siebten Woche nach der Operation kann der Schultergurt abgelegt werden. Auch leichte sportliche Betätigungen wie Joggen kann der Patient zu diesem Zeitpunkt ausführen.

 

Je nach berufsbezogener Beanspruchung der Schulter ist auch die Wiederaufnahme des Berufs möglich. Parallel zum beruflichen Wiedereinstieg und der nach der Operation begonnenen Physiotherapie sollte der Patient eigenständige Übungen zum muskulären Aufbau der schulterumgebenden Muskulatur durchführen. Manuelle und das Schultergelenk stark beanspruchende Tätigkeiten sind jedoch erst wieder nach frühestens 12–16 Wochen, meist sogar 20 bis 24 Wochen möglich. Überkopfsportarten sind erst nach Abschluss des muskulären Aufbaus nach ca. 24 Wochen empfohlen.

Literaturhinweise

• Schairer et al. (2018), Arthroscopy