Arthroskopische Schultereckgelenkstabilisierung

Das Schultereckgelenk oder Acromioclaviculargelenk, kurz ACG, verbindet das Schlüsselbein (Clavicula) mit einem Knochenvorsprung namens Acromion des Schulterdaches. Durch akute Verletzungen wie einen Sturz auf die Schulter oder einen Zusammenprall, kann das Gelenk geschädigt werden. Wenn wichtige Bänder dabei reißen, spricht man von einer AC-Gelenksprengung, durch sie wird das Gelenk instabil. Typischerweise kommt es zu starken Schmerzen, und das Gelenk schwillt an. Möglicherweise verschiebt sich das Schlüsselbein zudem nach oben.

Je nach Schweregrad der Verletzung erfolgt die Therapie konservativ oder operativ. Die arthroskopische Schultereckgelenkstabilisierung ist die operative Methode der Wahl zur Refixation des Schlüsselbeins. Die minimal-invasive Operation in Schlüssellochtechnik bietet gegenüber der offenen Operation Vorteile. So können zum Beispiel während der Arthroskopie Begleitverletzungen im Gelenk erkannt und unmittelbar behandelt werden.

 

Wie verläuft der Eingriff der ACG-Refixation?

Vor der Operation bespricht der behandelnde Arzt die Details des Eingriffs sowie potentielle Risiken mit dem Patienten. Die Spiegelung des Schultergelenks erfolgt minimal-invasiv und dank der Vergrößerung durch die Kamera sehr präzise. Für die Operation ist eine Vollnarkose erforderlich, die durch eine lokale Nervenblockade ergänzt werden kann.

 

Die Operation dauert in der Regel ein bis zwei Stunden. Sie kann ambulant erfolgen, sofern eine engmaschige Nachbehandlung sichergestellt ist. In diesem Fall führt der betreuende Arzt am Tag nach der Operation eine Kontrolle in der Praxis oder im OP-Zentrum durch. In manchen Fällen ist auch ein stationärer Aufenthalt erforderlich.

 

Die Operation verläuft im Wesentlichen in sechs Schritten:

 

1. Der Patient wird unter Vollnarkose in sitzender Position gelagert

 

2. Über einen etwa fünf Millimeter großen Schnitt auf der Rückseite der Schulter wird vorsichtig eine Kamera in das Gelenk eingebracht. Im Rahmen der diagnostischen Gelenkspiegelung wird nach Begleitverletzungen gefahndet, die bei ca. 18 Prozent der Patienten auftreten

 

3. Auf der Vorderseite der Schulter setzt der Operateur mehrere kleine Schnitte und bringt die Arbeitsinstrumente ein. Schrittweise präpariert er die Unterfläche des sogenannten Rabenschnabelfortsatzes

 

4. Der Operateur bringt das Schlüsselbein zurück in die richtige Position. Hierfür verwendet er über einen kleinen Schnitt ein Zielgerät, das sich an der Oberfläche des Schlüsselbeins und an der Unterfläche des Rabenschnabelfortsatzes einhakt

 

5. Es folgt das Bohren durch Schlüsselbein und Rabenschnabel, sowie das Durchziehen des Implantats, das aus einem hochstabilen Fadenkonstrukt besteht. In der Regel erfolgt noch eine weitere Stabilisierung, die das Schlüsselbein mit dem Schulterdach verbindet. Die korrekte Position des Schultereckgelenks wird mit einem Röntgengerät kontrolliert

 

6. Der Operateur vernäht die Zugänge und legt dem Patienten noch unter der Narkose eine Bandage an

 

Nach der Operation

Am Abend der Operation ist der Patient wieder selbständig mobil. Eine stationäre Behandlung dauert selten länger als zwei Nächte. Die meisten Behandler schützen die operierte Schulter mit einer Bandage. Parallel dazu führt der Patient die ersten Übungen durch, zunächst mit einem eingeschränktem Bewegungsumfang, um die Heilung nicht zu gefährden. Die meisten Patienten können den Arm nach sechs Wochen seitlich wieder bis auf Schulterhöhe anheben. In der weiteren Nachbehandlungsphase liegt der Fokus auf dem Wiedererlangen der freien Beweglichkeit und der Kräftigung der Muskulatur.

Typische Risiken und deren Häufigkeit

Das größte Risiko nach der Operation ist eine erneute, meist teilweise Luxation (Ausrenken) des Schultereckgelenks, mit einem Höhertreten des Schlüsselbeins. Eine aktuelle Studie bezifferte das Risiko hierfür auf 23 Prozent. Daneben kann es in seltenen Fällen zu Brüchen des Schlüsselbeins oder des Rabenschnabels kommen. Weitere, seltenere Komplikationen sind bakterielle Infektionen der Schulter nach dem Eingriff sowie eine Schultersteife.

Generelle Prognose nach der Operation

Der Regelfall ist eine schmerzfreie Schulterfunktion im Alltag. Bereits ein Jahr nach der Operation erreicht der Patient eine exzellente Lebensqualität, die bei komplikationslosem Verlauf und stabil ausgeheiltem Gelenk auch langfristig anhält. Ein vorzeitiger Verschleiß des Schultereckgelenks ist prinzipiell möglich, führt aber nicht zwingend zu therapiebedürftigen Beschwerden.

Wie gelingt die Rückkehr in den Alltag, das Berufsleben und den Sport?

Leichte Bürotätigkeiten sind bereits nach ein bis zwei Wochen möglich. Der Patient kann wieder Auto fahren, sobald er die Bandage abgelegt hat. Sportliche Aktivitäten ohne Belastung der Schulter wie zum Beispiel Wandern kann man nach abgeschlossener Wundheilung beginnen, intensivere Sportarten erst nach einigen Monaten.

 

Überkopfsportarten wie zum Beispiel Wurfsport mit starker Belastung der Schulter sind in der Regel erst nach sechs Monaten möglich. In einer Studie von Kay et al. (2018) wurde die Rückkehr zum Sport bei 94 Prozent angegeben.

 

Die Rückkehr zum Sport auf früherem Leistungsniveau lag bei 62–100 Prozent, abhängig vom Ausmaß der Verletzung und der Sportart.

Literaturhinweise

• Tischer et al., (2009)

• Sun et al. (2019) J Orthop Sci

• Thangaraju et al. (2019)

• Virtanen et al. (2013)

• Kay et al. (2018)